Kinesio-Tape bei Kniearthrose: Was eine placebokontrollierte Studie zeigt

Kinesio-Tape sieht man heute an vielen Sportlerinnen und Sportlern, aber auch zunehmend im Praxisalltag bei Kniearthrose. Eine 2019 im Journal of Sport Rehabilitation veröffentlichte, placebo-kontrollierte Studie von Rahlf, Braumann und Zech liefert dazu differenzierte Ergebnisse, positiv, aber mit einer wichtigen Einschränkung, die ich nicht unter den Tisch fallen lassen möchte.

Was die Studie untersucht hat

141 Personen mit Kniearthrose (im Schnitt 65,1 Jahre alt) wurden in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie in drei Gruppen aufgeteilt: echtes Kinesio-Tape, ein optisch ähnliches Schein-Tape ohne die charakteristische Zugspannung, und eine Gruppe ohne Tape. Das Tape wurde 3 Tage am Stück getragen. Gemessen wurden Schmerz, Steifheit und Funktion über den WOMAC-Index sowie objektive Werte wie Gleichgewicht, Gehgeschwindigkeit, Quadrizepskraft und Kniebeweglichkeit.

Die Ergebnisse im Überblick

Schmerz: Die Tape-Gruppe zeigte eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber der Schein-Tape-Gruppe und der Gruppe ohne Tape.

Steifheit und Funktion: Auch hier zeigten sich signifikante Verbesserungen der Tape-Gruppe gegenüber beiden Vergleichsgruppen, bei der Funktion sogar deutlicher als beim Schmerz.

Objektive Messwerte: Bei Gleichgewicht, Muskelkraft, Gehgeschwindigkeit und aktivem Bewegungsumfang des Knies fanden sich dagegen keine Unterschiede zwischen den Gruppen.

Was die Autoren schlussfolgern

Die Studienautoren schlussfolgern, dass Kinesio-Tape die subjektiv wahrgenommene Beeinträchtigung durch Kniearthrose, also Schmerz, Steifheit und empfundene Funktion, verbessern kann. Sie weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass sich dieser Effekt nicht in objektiv messbaren körperlichen Leistungswerten niederschlägt, der Nutzen liegt also im subjektiven Erleben, nicht in einer nachweisbaren Verbesserung der Gelenkfunktion selbst.

Einschränkungen der Studie

Das Tape wurde nur 3 Tage lang getragen, eine Aussage über Langzeitanwendung über Wochen oder Monate lässt sich daraus nicht ableiten. Die Stichprobe bestand ausschließlich aus Personen mit Kniearthrose, eine Übertragung auf andere Gelenke oder Beschwerdebilder ist nicht ohne Weiteres möglich.

Einordnung für die Praxis

Diese Studie halte ich für ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig eine ehrliche Einordnung ist: Kinesio-Tape wirkt hier nachweislich auf das subjektive Schmerz- und Funktionsempfinden, nicht aber auf objektiv messbare Parameter wie Kraft oder Beweglichkeit. Das ist kein Widerspruch, viele Patientinnen und Patienten berichten mir genau das: Das Tape fühlt sich unterstützend an und lindert den Schmerz im Alltag, ersetzt aber kein gezieltes Kräftigungs- oder Beweglichkeitstraining. Bei Kniearthrose empfehle ich Tape daher als Ergänzung zur aktiven Physiotherapie, nicht als alleinige Maßnahme. Wer Kinesio-Tape oder andere Bandagen ausprobieren möchte, findet in unserer Bandagen, Tape & Kompression-Kollektion eine Auswahl.

Die hier zitierte Studie bezieht sich auf klassisches Kinesio-Tape allgemein, nicht auf ein bestimmtes Produkt aus unserem Sortiment. Individuelle Ergebnisse können abweichen. Bei fortgeschrittener Kniearthrose oder anhaltenden Beschwerden empfehlen wir grundsätzlich eine ärztliche oder physiotherapeutische Abklärung.

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Titel: Kinesio-Tape bei Kniearthrose: Was eine placebokontrollierte Studie zeigt