Sturzprävention ist einer der Bereiche, in denen ich als Physiotherapeut mit am meisten von gezieltem Training überzeugt bin, gerade bei älteren Patientinnen und Patienten. Eine 2025 im Fachjournal PeerJ veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit von Yu und Kollegen hat die Studienlage dazu noch einmal umfassend zusammengefasst.
Was die Studie untersucht hat
Die Autoren werteten 37 randomisiert-kontrollierte Studien mit älteren, über 60-jährigen Personen ohne diagnostizierte Grunderkrankung aus. Untersucht wurde der Effekt von Bewegungs- und Balance-Interventionen auf Sturzangst, Sturzhäufigkeit, Gleichgewichtsfähigkeit und funktionelle Mobilität.
Die Ergebnisse im Überblick
Sturzangst: Training führte zu einer deutlichen Verbesserung des Vertrauens in die eigene Standsicherheit (Effektstärke 1,01).
Sturzhäufigkeit: Trainingsgruppen stürzten deutlich seltener als Kontrollgruppen (Odds Ratio 0,32) - das entspricht einem rund 68 Prozent geringeren Sturzrisiko.
Gleichgewichtsfähigkeit: Gemessen mit der Berg Balance Scale zeigte sich ebenfalls eine deutliche Verbesserung (Effektstärke 0,92).
Funktionelle Mobilität: Auch der Timed-Up-and-Go-Test, ein Standardtest für Gangsicherheit und Sturzrisiko, verbesserte sich deutlich.
Optimale Trainingsparameter: Am wirksamsten waren laut der Auswertung Einheiten von über 30 Minuten, dreimal wöchentlich, über 12 bis 23 Wochen für die Sturzangst beziehungsweise mindestens 24 Wochen für die Gleichgewichtsfähigkeit.
Was die Autoren schlussfolgern
Strukturiertes Bewegungs- und Balance-Training kann bei älteren, selbstständig lebenden Menschen ohne diagnostizierte Grunderkrankung das Sturzrisiko und die Gleichgewichtsfähigkeit deutlich verbessern, wenn es konsequent und über einen längeren Zeitraum durchgeführt wird.
Einschränkungen der Studie
Bei Bewegungsinterventionen lässt sich eine Verblindung von Teilnehmenden und teilweise auch von Studienpersonal kaum umsetzen, das schränkt die Aussagekraft grundsätzlich etwas ein. Personen mit Erkrankungen oder kognitiven Einschränkungen wurden ausgeschlossen, die Übertragbarkeit auf diese Gruppen ist damit unklar. Die optimale Dosis-Wirkungs-Beziehung ist noch nicht abschließend geklärt, und die meisten eingeschlossenen Studien untersuchten jeweils nur eine einzelne Trainingsform statt Kombinationen.
Einordnung für die Praxis
Sturzprävention ist einer der Bereiche, in denen ich die Evidenz für regelmäßiges, gezieltes Training besonders eindeutig finde, und diese Auswertung mit über 30 Studien bestätigt das noch einmal deutlich. Entscheidend ist aus meiner Erfahrung weniger das einzelne Gerät als die Regelmäßigkeit, also kontinuierliches Training über mehrere Monate. Sensomotorische Trainingsgeräte eignen sich gut, um genau dieses Training strukturiert in der Praxis oder zuhause umzusetzen - mehr dazu in unserer Medical Fitness-Kollektion.
Diese Übersichtsarbeit bezieht sich auf Balance- und Bewegungstraining im Allgemeinen, nicht auf ein bestimmtes Produkt. Individuelle Ergebnisse können abweichen. Bei bestehenden Beschwerden oder erhöhtem Sturzrisiko empfehlen wir eine Abklärung mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Physiotherapiepraxis.

